08 Alte Meierei
Hier geht es zu den 24 weiteren Info-Seiten auf der Kulturpfad-Startseite
Die ehemalige Meierei in der Dorfstraße
Hier unter dem großen Kastanienbaum an der Dorfstraße liegt ein Stein mit der Inschrift „Alte Meierei“ und zwei Zahlen; aber welche Bedeutung haben diese und der Stein selbst?
Es handelt sich um die noch gültigen ursprünglichen Hausnummern der hier befindlichen Gebäude, die 1924 vom Amtsbezirk Elmschenhagen, zu dem Klausdorf damals gehörte, festgelegt wurden. Viele Hausnummern der Dorfstraße wurden danach Anfang der 80er Jahre aufgrund von Zwischenbebauungen geändert.
Der Stein ist ein Erinnerungs-Geschenk für den ersten hauptamtlichen Bürgermeister von Klausdorf, Lothar von Nessen, von seinen Nachfahren im Jahre 1999. Seine Frau Elfriede geb. Schnack gehörte zu den Familien, die hier die Meierei betrieben haben; beide haben hier zusammen gewohnt.
Die Anfänge der Milchwirtschaft
In den Jahren nach der Jahrhundertwende wurden, aufgrund der zunehmenden Milchwirtschaft der Bauern und den noch beschränkten Kühlmöglichkeiten, im Ortsgebiet von Klausdorf Meiereien gegründet. Es waren die Meiereien Boll am Dorfplatz 1902, Hänel & Schnack 1905, sowie Soll in Dreikronen 1906 (später Paustian). 1915 kam noch die Meierei Kay im Kirchenweg dazu.
Es handelte sich hier nicht nur um Betriebe zur Herstellung von Meiereiprodukten, sondern sie hatten zugleich auch noch sogenannte Milchverteiler angestellt, die mit Pferd und Wagen im Dorf und Umgebung ihre Waren auf der Straße verkauften.
An diesem Ort, wo Sie sich gerade befinden, waren es August Schnack mit seiner Frau Hulda geb. Hänel, sowie Robert Hänel, die diesen Tätigkeiten nachgingen; ihr
Meiereibetrieb war im Ortskern der größte. Als Meierist war Arthur Schnack mit dabei, Friedrich Prien als Milchkutscher und noch mehrere Hausangestellte.
Als Teilhaber der Meierei Hänel & Schnack waren 1931 die Witwe Dora Hänel, ihr Sohn Robert Hänel und August Schnack eingetragen.
In den 30er Jahren gab es zusätzlich Milchhändler wie Lembke und Jessen im Ritzebeker Weg, sowie Witt im Heidbergredder.
Blick vom Dampferanleger an der Schwentine; hinten links die Gebäude der Meierei Hänel & Schnack im Jahre 1942.
Nach dem Absturz eines abgeschossenen Bombers im Brook der Schwentine, am 29.3.1942, wurden zwei der gefallenen englischen Flieger im Garten der Meierei aufgefunden. Ein trauriges Geschehen in der Geschichte dieser Meierei, das das Grauen des Krieges allen vor Augen führte.
Nach Beseitigung der Bombenschäden des 2. Weltkrieges wurde hier 1949 von der Meierei ein Milchladen eröffnet, ein weiterer in der hinteren Dorfstraße und in den 60er Jahren noch ein Verkaufsstand in der Klingenbergstraße. Eine Filiale befand sich auch in Neumühlen-Dietrichsdorf, außerdem fuhr man mit einem VW-Transporter und später mit einem VW-Bus als Verkaufswagen durchs Dorf.
Der eigentliche Produktionsbetrieb wurde mit der Zeit eingestellt und nur noch gehandelt; bis die Entstehung von Supermärken schließlich Ende der 70er Jahre die Schließung bedeutete. Der Laden wurde noch einige Zeit als sogenannter „Kaufmann“ betrieben, bis schließlich die Gärtnerei Kistenmacher diesen als Blumengeschäft übernahm.
Heute werden die Gebäude nur noch zu Wohnzwecken von den Nachkommen der ehemaligen Meierei-Familien genutzt.
Wilbert Voß
Das dekorierte Schaufenster der A&O-Filiale Neumühlen-Dietrichsdorf zum 50. Jubileum der Meierei Hänel & Schnack im Jahre 1955.
Volker Wrege mit Kunden an seinem VW-Transporter als Milchwagen im Jahre 1967. Für viele Menschen waren solche durchs Dorf fahrende Verkaufswagen nicht nur ein Einkaufserlebnis, sondern auch sozialer Kontakt.
Nächste Info-Tafel 09 "Der Ausrufer" Zurück zur Kulturpfad-Startseite











