15 Villa Fernsicht
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Redaktioneller Hinweis:
In der Info-Tafel vor Ort befindet sich im linken Text-Block ein Fehler, es war nicht Friedrich Schliemann der die Villa baute, sondern Joachim Schliemann!
In der oben abgebildeten Info-Tafel ist der Fehler schon korrigiert worden!
Die Villa Fernsicht
Da früher die Kieler gern zu Fuß durch das Schwentinetal nach Preetz wanderten, erbaute Joachim Schliemann 1899/1900 auf der Anhöhe über dem Tal die Villa Fernsicht als Ausflugslokal. Am 30. Oktober 1900 erteilte der Kreis Plön die „Erlaubnis zum Betrieb der Schankwirtschaft mit Ausschluss der Spirituosen“. Die Klientel wechselte immer wieder. Waren es erst die Bauern mit Pferd und Wagen, kamen dann die Marineoffiziere und danach die Studenten. Ob Grusellabyrinth, Vogelvolieren, Terrarien, Fernsichtzoo genannt, es gab immer etwas zu sehen.
Detlev Schliemann Senior brachte die Villa Fernsicht in den 1940er Jahren mit viel Glück unbeschadet durch den zweiten Weltkrieg, obwohl die Umgebung massiv bombardiert wurde und die Villa genau in der Einflugschneise der Bomber Richtung Kiel lag. Eine Bombe schlug direkt neben dem Gebäude ein und hinterließ einen großen Krater.
Detlef Schliemann Junior und seine Frau Gisela brachten in den 1950er Jahren mit dem Reptilienzoo eine Attraktion in die Villa Fernsicht, die das Lokal überregional bekannt machte und fast 50 Jahre Bestand hatte.
Mit Günter Schliemann und seiner Frau Barbara übernahm 1982 die nächste Generation die Villa. Beide wurden als singende Wirtsleute bekannt, brachten mehrere CDs heraus und schufen einen Vogelpark in der Parkanlage, der auch in Fachkreisen viel Anerkennung fand.
Nach der Jahrtausendwende verwandelten die Geschwister Ina und Holger Schliemann die märchenhafte Villa in ein Erlebnisrestaurant mit Events, Shows, vielfältigen Speisenkarten und Erlebnisattraktionen wie dem bundesweit bekannt gewordenen Grusellabyrinth, das in der letzten Saison 2009 über 25.000 Gäste nach Schwentinental lockte.
Nach wiederholten Beschwerden von Anwohnern auf Grund des großen Andrangs wurde die Genehmigung für eine geplante Erweiterung des Betriebs nach mehrjährigem politischem Tauziehen im Dezember 2009 schließlich versagt. Daraufhin war der Betrieb der Erlebnisgastronomie nur noch sehr eingeschränkt möglich und die Familie Schliemann entschloss sich, den Betrieb einzustellen, das Anwesen zu verkaufen und für die Öffentlichkeit zu schließen. Die Villa Fernsicht hatte 85 Plätze im Hauptgebäude, einen Saal mit 120 Plätzen und 9 Fremdenzimmer. Im Sommer fanden sich regelmäßig bis zu 120 Gäste auf der Aussichtsterrasse bei Kaffee und Kuchen von Konditor Günter Schliemann ein. Das Motto „Villa Fernsicht – Jeder weiß, Kaffee, Kuchen, prima Eis“ dürfte heute noch vielen Gästen in Erinnerung geblieben sein.
Die Familie Schliemann
Die Familie ist schon seit über 200 Jahren im Schwentinetal ansässig.
Berühmtester Sohn der Familie ist der Archäologe und Entdecker Trojas, Heinrich Schliemann (1822-1890.) In Raisdorf wurde die Familie mit Christian Friedrich Karl Schliemann ansässig. Er war Mühlenbauer geb. am 29.05.1805, in Warderhof bei Giekau im Kreis Plön, heiratete in Kiel am 06.01.1842 Friederieke Frahm, Schiffszimmermeistertochter geb. 182O . (Fam. Frahm heute Gremsmühlen 5 Seenfahrt Teilhaber). Am 25.05.1851 wurde Friedrich Schliemann geboren, der die Rastorfer Papiermühle weiterführte. Am 25. 08.1857 wurde Joachim Gottfried Schliemann als neuntes Kind geboren, der die Rastorfer Kornmühle betrieb, neben Bruder Friedrich, der die Papiermühle betrieb. 19oo kamen die Wassermühlen im Tal zum Erliegen, weil nun die Elektrizität als Antriebskraft für die Maschinen die Wasserkraft ablöste. Die Bauern wollten zudem mit den Lasten die Hänge des Schwentinentals 50 Meter auf und ab nicht mehr fahren, da nun die Schmidtsche Raisdorfer Mühle für sie bequemer lag. Joachim Schliemann erbaute schließlich 1900 das Ausflugslokal Villa Fernsicht, das bis 2010 von insgesamt 5 Generationen dort betrieben wurde.
Das Haus der Kirche
Rechts neben der Villa Fernsicht steht das Haus der Kirche; der Grundstein wurde im Mai 1976 für dieses Kirchenzentrum gelegt.
Es wurde geschickt in die natürliche Umgebung eingebettet; hier finden neben Gottesdiensten auch Veranstaltungen statt.
Der modern anmutende, aber denkmalgeschützte Gebäude-Komplex barg bisher im Inneren den „Christus“ des Bildhauers Fritz During. Das mächtige Werk mit dem gekreuzigten Jesus hing zunächst in der 1960 erbauten Kirche St. Martin am Karkkamp.
Seit 2025 gab es in der Kirchengemeinde Raisdorf Überlegungen, das Haus der Kirche aus Kostengründen einer anderen Nutzung zuzuführen. In diesem Rahmen fand am 9.11.2025 auch der "Christus" von During wieder seinen Weg zurück in die St. Martin-Kirche.1
1 Quelle: www.kircheraisdorf.de
Der Schwentinepark und die "Freunde des Schwentineparks e. V."
Der Schwentinepark wurde am 3. September 1972 eröffnet. Er geht auf eine Initiative des ehemaligen Raisdorfer Bürgermeisters Helmut Ohl zurück und bietet mit seiner Größe von 40 Hektar ein ganz besonderes Erholungs- und Freizeitgebiet. Der Schwentinepark ist ein beliebtes Ausflugsziel für Bewohner und Gäste der Stadt Schwentinental. Neben einem beheizten Freibad bietet der Park auch einen Sportplatz, einen großen Spielplatz, eine Minigolfanlage, einen Kiosk sowie ein Restaurant.
Der Schwentinepark mit seinen etwa 400 Wild- und Haustieren liegt inmitten einer reizvollen Landschaft aus Erholungswald und den steilen Ufern an der Schwentine. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang laden hier ausgebaute Wanderwege zum Spazieren und Joggen ein, vorbei an den großflächigen Tiergehegen. Auf dem Hauptweg durch den Park begegnen den Besuchern Minishetlandponys, Hochlandrinder, Esel und Sattelschweine sowie verschiedene Schafe und Ziegen. Zudem gibt es ein Wildschwein- und Mufflongehege, diverse Vogelvolieren und ein Kleintiergehege. Rot- und Damwild, Lamas und Pfauen können 365 Tage im Jahr bestaunt werden.
Eine besondere Attraktion ist der Streichelzoo. Er ist besonders für die kleinen Besucher ein tolles Erlebnis, weil hier ein direkter Kontakt zu Zwergziegen und Schafen möglich ist. Um auch Tiere außerhalb des Streichelgeheges aus der Nähe betrachten zu können, dürfen einige Arten (ausgewiesen durch Schilder) mit dem speziellen Tierfutter aus den Futterautomaten im Park gefüttert werden.
Das Betreten des Schwentineparks ist kostenfrei. Seit seiner Gründung 1972 betreibt die Gemeinde Raisdorf, jetzt die Stadt Schwentinental, trotz hoher finanzieller und personeller Aufwendungen diesen Park. Mit dem Ziel, die Stadt hierbei finanziell zu entlasten, haben Raisdorfer Bürger und Auswärtige bereits im Gründungsjahr des Parks den Verein "Freunde des Schwentineparks e.V." gegründet. Die Mitglieder dieses Vereins, der vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt ist, haben seither zu folgenden Investitionen im Schwentinepark beigetragen: Kauf von Tieren, Anschaffung von Sitzbänken, Bäumen, Geräten und Werkzeugen, Bau von Gehegen und Volieren, Ausschilderung des Parks, Einrichtung des Streichelzoos, Bau der Brücke über die Schwentine und Neubau dieser Brücke als „Naturerlebnisbrücke“, Sanierung des Schwarzwildgeheges, Neubau einer Pfauenvoliere, Schaffung eines Biologischen Lehrpfades und vieles mehr. Die „Freunde des Schwentineparks e.V.“ werden die Einmaligkeit und Schönheit des Schwentineparks erhalten und im Rahmen der Heimatpflege weiter fördern und ausbauen.
Gunnar Gradert
Jetzt gehen wir durch den Tierpark, an den Gehegen der Hirsche und Ziegen entlang, kommen zu den Meerschweinen und Kaninchen, haben rechts die Ponys und laufen auf das Freibad zu.
Das Freibad
Das Freibad, gerade aufwendig saniert, wurde am 14.05.1971 eingeweiht. Im gleichen Jahr fanden die Landesmeisterschaften im Schwimmen und Kunstspringen hier statt.
Lehrpfad zum biologischen Pflanzenschutz
In Schwentinental wurde der deutschlandweit erste Lehrpfad zum Thema biologischer Pflanzenschutz eröffent.
Dort werden verschiedene Fragen rund um nachhaltige und gesündere Landwirtschaft durch biologische Mittel zur Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten auf eine leicht-verständliche und unterhaltsame Weise beantwortet.
Dieser Lehrpfad ist durch eine Kooperation der Stadt Schwentinental, den Freunden des Schwentineparks e.V. und der Firma e-nema entstanden und wurde gefördert von der Bingo!-Umweltlotterie.
Quellen:
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