Förderverein für    

Kunst und Kultur sowie 

Kulturhistorische Projekte 

in Schwentinental e. V.

 
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Quartiersarbeit

Warum KuKuK e.V. sich mit Quartiersarbeit und altersgerechtem Wohnen befasst

Altersgerechtes und generationenübergreifendes Wohnen ist mehr als eine bauliche Aufgabe. Entscheidend ist, wie Menschen in ihrem Wohnumfeld leben, sich begegnen, kulturell teilhaben und sich mit ihrem Quartier identifizieren können.

Als Kulturverein versteht KuKuK e.V. Kultur als soziale und gesellschaftliche Infrastruktur. Kunst, Kultur und kulturelle Bildung tragen dazu bei, neue Wohnquartiere lebendig, gemeinschaftlich und generationenübergreifend zu gestalten. Sie fördern Begegnung, Teilhabe und Orientierung – zentrale Voraussetzungen für ein gutes Leben im Alter und für das Zusammenleben unterschiedlicher Generationen.

KuKuK e.V. bringt sich daher als vermittelnde und moderierende Plattform ein: zwischen Wohnungswirtschaft, Investoren, sozialen Dienstleistern, Verwaltung, Politik und Bürgerschaft. Der Verein vertritt dabei keine wirtschaftlichen oder sozialpflegerischen Interessen, sondern bringt die kulturelle Perspektive der Menschen und des Quartiers in Planungs- und Entwicklungsprozesse ein.

So leistet KuKuK e.V. einen Beitrag zur Entwicklung lebenswerter, sozial eingebundener und kulturell geprägter Wohnquartiere in Schwentinental.

Ein starkes Signal: Dialog zeigt Wirkung

Die Bürgerveranstaltung „Altersgerechtes Wohnen in Schwentinental – Dialog mit Perspektive“ im Oktober 2025 hat über den Veranstaltungstag hinaus konkrete Wirkung entfaltet. Besonders erfreulich ist die Rückmeldung der Norddeutschen Grundstücksentwicklungsgesellschaft (NGEG), die deutlich macht: Der offene Austausch zwischen Bürgerschaft, Politik, Verwaltung und Wohnungswirtschaft kann Bewegung in zentrale Zukunftsfragen bringen.

Wie Geschäftsführer Dr. Niels Bunzen mitteilt, fanden im Nachgang der Veranstaltung Gespräche mit dem Bürgermeister, der Leiterin des Bauamtes sowie dem zuständigen Stadtplaner statt. Dabei wurde ein verändertes Konzept für die Bebauung der Flächen Klingenberg und Bergkoppel erörtert, das derzeit weiter ausgearbeitet wird. Die in der Veranstaltung geäußerten Hinweise, Bedenken und Anregungen flossen dabei ausdrücklich in die Überlegungen ein.

Diese Entwicklung unterstreicht, was viele Teilnehmende im Bürgerhaus Klausdorf als ermutigend empfanden: Die Veranstaltung war nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern ein Impulsgeber. Dass die NGEG ihre Planungen überprüft, weiterentwickelt und erneut in den politischen Prozess einbringen will, wird als positives Zeichen eines konstruktiven und verantwortungsbewussten Umgangs mit den Bedürfnissen der Stadt und ihrer älter werdenden Bevölkerung verstanden.

Der angekündigte weitere Austausch und die Aussicht auf einen neuen Zwischenstand im kommenden Jahr zeigen:
Der Dialog zum altersgerechten Wohnen in Schwentinental ist lebendig – und er führt zu konkreten Schritten.

Vor diesem Hintergrund dokumentiert der folgende Beitrag die Veranstaltung im Bürgerhaus Klausdorf als das, was sie war:
Ein gemeinsamer Versuch, Lösungen für eine der drängendsten sozialen Zukunftsfragen vor Ort zu entwickeln – im Gespräch, mit Offenheit und mit dem Willen zur Zusammenarbeit.

 

Altersgerechtes Wohnen in Schwentinental – Dialog mit Perspektive

Gut besuchte Bürgerveranstaltung in Klausdorf bringt Bewegung in ein wichtiges Zukunftsthema

 

Das Thema „altersgerechtes Wohnen“ bewegt viele Menschen in Schwentinental – besonders im Stadtteil Klausdorf. Rund 60 Bürgerinnen und Bürger folgten daher am 8. Oktober der Einladung zur Dialogveranstaltung im Bürgerhaus Klausdorf, um gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadt über Fortschritte, Herausforderungen und Perspektiven zu sprechen. Moderiert wurde der Nachmittag von Peter Dohse, der die Diskussion strukturiert und engagiert leitete.

Auf dem Podium diskutierten die Stadtvertreter Yavuz Yilmaz (CDU), Bernd Petersen (SPD), Herbert Steenbock (SWG), Christian Ramm (Bündnis 90/Die Grünen) und Andreas Müller (Gemeinsam vor Ort). Als Gäste begrüßt wurden außerdem Bürgermeister Thomas Haß, Dr. Niels Bunzen von der Norddeutschen Grundstücksentwicklungsgesellschaft (NGEG) sowie Frederic Lauwen vom Pflegeverbund St. Anna / Deutsch-Orden.

 

Hintergrund: Große Nachfrage, wenig Angebote

Bereits 2017 hatte eine Sozialraumanalyse die Situation im Stadtteil Klausdorf untersucht. Das Ergebnis war deutlich:
88 Prozent der älteren Menschen möchten im Stadtteil wohnen bleiben, doch es fehlt an bezahlbarem, barrierefreiem Wohnraum. Seitdem hat sich die Lage weiter zugespitzt: Der Anteil der über 80-Jährigen hat sich in den letzten Jahren fast verdoppelt, viele leben in Eigenheimen, die nicht altersgerecht sind. Gleichzeitig steigen Pflegebedarfe – etwa durch Demenz oder körperliche Einschränkungen.

Im Rahmen des Quartiersmanagements Klausdorf arbeiten engagierte Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit der AWO, dem Sozialverband und den Verdi-Senioren seit Jahren daran, das Thema im Bewusstsein der Öffentlichkeit und der Politik zu halten. Veranstaltungen zu barrierefreiem Bauen, Demenz, Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung zeugen von dieser aktiven Bürgerschaft.

Bilanz nach zwei Jahren – wenig Fortschritte, aber neue Ansätze

Die Idee zur aktuellen Dialogrunde geht auf eine Befragung aus dem Jahr 2023 zurück. Damals hatten die Kommunalwahlkandidaten zugesagt, sich zwei Jahre später erneut der Diskussion zu stellen – und zu zeigen, was inzwischen erreicht wurde.

Das Ergebnis fiel allerdings gemischt aus:
Zwar sei das Bewusstsein für die Notwendigkeit altersgerechter Wohnformen gewachsen, konkrete Fortschritte jedoch blieben aus. Gründe dafür nannten die Stadtvertreter mehrere: Die Flüchtlingskrise, der Krieg in der Ukraine, der Ausbau von Kitas und Schulen sowie begrenzte Haushaltsmittel hätten viele Ressourcen gebunden.

Kontroverse um Klingenberg und Bergkoppel

Einen Schwerpunkt der Diskussion bildete der Vorschlag der Norddeutschen Grundstücksentwicklungsgesellschaft (NGEG), auf den Flächen Klingenberg und Bergkoppel ein generationsübergreifendes Wohnquartier zu entwickeln.

Dr. Niels Bunzen berichtete, dass für das Areal Vorverkaufsverträge bestehen und sogar eine landesbehördliche Genehmigung für den Bau eines Straßenzugangs zur L52 vorliege. Dennoch habe die Stadtvertretung das Projekt abgelehnt – ohne dass die Gründe heute noch klar nachvollziehbar für die Öffentlichkeit seien.

Bürgermeister Haß und Herbert Steenbock nannten als Gründe für die damalige Ablehnung des NGEG-Projektes u.a. die mangelnde Einbindung dieses Areals in die Struktur des Stadtteils, die nicht vorhandene ÖPNV-Anbindung und die gravierenden Folgen für KiTa und Schule, die sich aufgrund von 200 bis 300 zusätzlichen Wohneinheiten zwangsläufig ergeben.

Diese Offenheit führte zu einer lebhaften und konstruktiven Diskussion, in der sich zeigte: Viele Bürgerinnen und Bürger wünschen sich, dass solche Chancen nicht ungenutzt bleiben.

 

Am Ende stand ein wichtiger Konsens:
Politik, Verwaltung, Wohnungswirtschaft und Bürgerschaft wollen wieder miteinander ins Gespräch kommen.
Dr. Bunzen signalisierte Bereitschaft, die Planungen an politische und gesellschaftliche Wünsche anzupassen – etwa durch Teilbebauung oder alternative Nutzungskonzepte. Der Bürgermeister und die Stadtvertreter sicherten zu, dass die NGEG ihre Pläne im kommenden Jahr erneut im Bauausschuss vorstellen darf.

 

Ein Schritt in die richtige Richtung

Moderator Peter Dohse fasste am Ende des Nachmittags zusammen:

„Altersgerechtes Wohnen ist kein Randthema – es betrifft uns alle, direkt oder indirekt. Es geht darum, in jedem Lebensalter selbstbestimmt in vertrauter Umgebung leben zu können. Das gelingt nur gemeinsam – mit Mut, Weitblick und Kooperation.“

So bleibt die Veranstaltung im Bürgerhaus Klausdorf nicht nur als sachliche Bestandsaufnahme in Erinnerung, sondern als ermutigendes Signal:
Das Thema altersgerechtes Wohnen bleibt auf der Agenda – und der Dialog darüber wird weitergeführt.

 

Fazit:

Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie groß das Interesse und die Bereitschaft zur Mitgestaltung in der Bevölkerung sind. Nun liegt es an Politik und Verwaltung, den Schwung aufzunehmen – damit Schwentinental auch im Alter lebenswert bleibt.

 

(Text: Peter Dohse)

IMG_7520neu (Foto Bernd Neumann)