04a Sventana / Badestelle
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Redaktioneller Hinweis:
Wir möchten uns herzlich für die aufmerksamen Hinweise aus der Bevölkerung bedanken. In der oben abgebildeten Informationstafel hatte sich im linken Textblock ein Fehler eingeschlichen.
Dort stand bislang:
„… die Grenze zwischen dem fränkischen und dem sächsischen Gebiet.“
Richtig ist jedoch:
„… die Grenze zwischen dem slawischen und dem sächsischen Gebiet.“
Wir freuen uns sehr darüber, wie intensiv unsere Informationstafeln gelesen und genutzt werden. Rückmeldungen – etwa über soziale Medien oder per E-Mail – helfen uns, historische Inhalte weiter zu präzisieren und gegebenenfalls zu korrigieren. Selbstverständlich prüfen wir jeden Hinweis sorgfältig. Bestätigt sich eine Ungenauigkeit, nehmen wir zeitnah Korrekturen vor.
Während Änderungen auf unserer Homepage unkompliziert und schnell umgesetzt werden können, wie in diesem Fall bei den Informationstafeln 4a, 4b und 11, sind Anpassungen an den realen Kulturpfad-Informationstafeln mit hohen Kosten verbunden und können deshalb nicht sofort vorgenommen werden.
Aufgrund eines Sonderangebotes des Herstellers (Holtenauer Verlag in Oppendorf) wird der Austausch der Tafeln in diesen Fällen doch zeitnah erfolgen! Vielen Dank dafür!
Die alte Badestelle an der Schwentine
Der Sandweg, der seit 1935 "Wiesenhörn" heißt, führt an die Schwentine, die in historischen Zeiten als „Sventana“ den Grenzfluss zu den slawischen und damit nicht-christianisierten Regionen bildete.
Erstmals im August 1924 fanden zwischen Wellingdorf und Oppendorf mit Start u. Ziel auf dem Klausdorfer Dorfplatz die kombinierten Staffeln zu Lande und zu Wasser statt. Diese Wettkämpfe wurden schnell im Großraum Kiel bekannt und beliebt.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde diese Tradition zunächst fortgesetzt, doch die wachsende Wasserverschmutzung durch industrielle Einleitungen im Bereich Preetz bereitete diesem Wettbewerb dann ein schnelles Ende.
Bereits 1936 sollte der Schwimmsport im Deutschen Reich zur körperlichen Ertüchtigung besonders gefördert werden. So beschloß der Klausdorfer Gemeinderat an der Schwentine eine Freibadestelle einzurichten.
Gemeindesekretär Emil Hagendorff hatte die Idee, ob nicht der Reichsarbeitsdienst (RAD) die notwendigen Bauarbeiten durchführen könnte. Die vorgesetzte Dienststelle des RAD-Lagers an der Rastorfer Mühle in Neumünster lehnte den entsprechenden Antrag der Gemeinde aber ab.
Trotzdem bemühte man sich, entsprechende Grundstücksteile an der Schwentine zu erwerben,
Dieses gestaltete sich aber als schwierig, da man sich nicht auf einen Kaufpreises einigen konnte.
Im Kriege wurden die Verhandlungen dann ganz unterbrochen, jedoch in den 1950er-Jahren wieder aufgenommen. Irgendwann einigte man sich und es wurde eine Badewiese eingerichtet, diese wurde eingezäunt, da es einen Unfall im Bereich des Bauern Johannes Schnack gegeben hatte, möglicherweise durch Vieh.
1955 wurde der Klausdorfer Rentner Christian Tank mit der Aufsicht beauftragt; er trug sogar eine offizielle weiße Armbinde mir der Aufschrift "Badeaufsicht Freibad"! Der Badebetrieb mußte dann ebenfalls Ende der 1960er-Jahre aus den o. a. Gründen eingestellt werden.
Generationen von Klausdorfern hatten in der Schwentine das Schwimmen gelernt. Unter ihnen befand sich Karl Prien, der (wahrscheinlich Ende der 20er Jahre) in die USA auswanderte und dort später als erster Mensch den mächtigen Erie-See durchschwamm.1
Erst Jahrzehnte später hatte sich die Wasserqualität der Schwentine wieder verbessert und die Gemeinde Klausdorf konnte das Baden wieder erlauben.
Neben der Badewiese befindet sich auch der Anleger der „Schwentine-Bootsfahrt“, die von Wellingdorf aus flussaufwärts für viele Generationen ein beliebter Start zu einem Ausflug an der Schwentine bis zum Gasthaus „Oppendorfer Mühle“ war.
1 Aus der Chronik des TSV Klausdorf
Blick von der Anlegebrücke zum Gehöft Schnack mit Platz zum Wäsche trocken und bleichen (links) im Jahre 1906. In der Mitte steht die kleine Kate von Haferbier, rechts die Räucherkate von Blunk, sie stand dort bis etwa 1920. Die zweite Kate, weiter links auf der Pferdekoppel am heutigen Parkplatz, ist nicht zu sehen.
Die Schwentine
Noch heute finden sich an der Schwentine kleine tiefe Stichkanäle, in denen die Menschen einst ihre Wäsche gereinigt haben. Am Fluss fanden die Menschen alle Lebensgrundlagen. Sie verehrten ihn und nannten ihn „Sventana“ = „heiliger Fluss“.
Neben der Badestelle befindet sich das Gelände der Kanuabteilung des TSV - Klausdorf
Die Abteilung wurde am 4. Januar 1960 im Gasthaus „Zur Linde“ am Klausdorfer Dorfplatz gegründet.
Gründungsmitglieder waren Karl-Hermann und Rudolf Falke, Annemarie und Peter Jelinski, Hermann und Marianne Lange und Elke Marquardt.
1963 wurde auf dem Grundstück der Familie Lange in der Dorfstraße zunächst eine Bootshalle für ca. 10 Boote errichtet.
1969 werden Wilma und Wilhelm Gripp Mitglieder der Kanuabteilung, die das Vereinsleben in den folgenden Jahrzehnten mit geprägt haben.
Im gleichen Jahr entstehen unter Mitwirkung von Jürgen Pietzsch von der KG Eiderstedt die bekannten Boote „Klausdorfer Eski“, von denen im darauf folgenden Jahr 20 Stück zu Wasser gelassen werden und 1974 wurden noch einmal 34 selbstgebaute Eskis getauft.
1971 folgte wegen des wachsenden Bedarfs der Bau eines neuen Bootshauses an der Schwentine. Die Mitglieder der Kanuabteilung (u.a. Hermann und Rudolf Falke) sorgen für das Fundament und den Innenausbau.
Weitere zwei Jahre später wird nach unzähligen Arbeitsstunden das Clubhaus aus dem Bausatz einer finnischen Blockhütte errichtet. Geselligkeit wird von Anfang an groß geschrieben und das Kanugelände wird viele Jahre das Ziel für Umzüge der Vereine zu den Klausdorfer Festtagen mit abschließendem Vogelschießen.
Die mittlerweile 90 Mitglieder legen die große Rasenfläche an, pflanzen Büsche und Bäume rund um das neue Clubhaus. Sportlich waren sie bereits in den ersten Jahren auf Fahrten nach Finnland und Schweden unterwegs, paddelten 1973 38.000 km und richteten zum ersten Mal die später erfolgreiche „Schwentine-Kanurallye“ aus.
1974 wird anlässlich der 750-Jahr-Feier der Gemeinde Klausdorf zu Pfingsten der „1. Schwentine-Abfahrtslauf“ durchgeführt, an dem weit über 100 norddeutsche Kanuten teilnehmen.
Die Gemeinde liefert Bäume, die von der Abteilung eingepflanzt werden. Im Jahr 1975 steigt die Mitgliederzahl von 100 auf 143 am Jahresende.
1976 paddeln 195 Mitglieder 51.000 km, damit liegt die Sparte im Landesvergleich an der Spitze. Der Kanurennsport wird offizieller Teil der Kanusparte.
1977 wird der Vorplatz als Zuwegung zum Vereinsgelände, wie auch zur Badestelle, mit Steinen der Dorfstraße in Eigenarbeit gepflastert. "Bauleiter" war Wilhelm Gripp; ihm zu Ehren wurde der Platz nach ihm benannt.
Zur Internationalen Schwentine-Kanu-Rallye prägten die Aktivitäten der Kanuten das ganze Ortsbild, wie hier im Jahren 1975-76
Bootsbau der Kanuabteilung im ehemaligen Schweinestall von Bauer Christian Schnack am Dorfplatz im Jahre 1976; einer der treibenden Kräfte war damals Peter Janzen (Bildmitte)
Die Rennsportler bekommen ihre ersten beiden Vereinsboote und Bernd Schröder startet als erster für den TSV –Klausdorf auf einer Deutschen Meisterschaft, der Beginn seiner jahrzehntelangen sportlichen Erfolge. Hier beginnt auch die Karriere des Olympiasiegers Thomas Reineck, der 1983 Deutscher Meister wird (500m Kajak-Einer der männl. Jugend), 1988 an den Olympischen Spielen in Seoul teilnimmt und 1992 in Barcelona Olympiasieger im K4 über 1000m wird. 1996 holt er bei den Olympischen Spielen eine weitere Goldmedaille.
Im gleichen Jahr starten Claudia Wöhlk und Britta Ahlert im K2 auf dem Berlin-Marathon für Deutschland. 1999 werden Michaela und Claudia Wöhlk Deutsche Marathon-Meister im K2 der Damen.
Seit 1990 gehen Wanderfahrten auch nach Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Die Hauptversammlung 1994 wählt Thomas Voigt zum neuen Obmann und Peter Clausen übernimmt die Bauleitung für den Anbau des Bootshauses und später des Clubhauses (2003/2004).
1997 führt die Kanuabteilung die 25. Schwentinewanderfahrt durch - bis 1986 noch unter der Schirmherrschaft des Landeskanuverbandes; seitdem als eine der größten Wanderfahrt-Veranstaltungen in Schleswig-Holstein unter Klausdorfer Regie.
Die „Seekajakgruppe“ entsteht aus regelmäßig am Mittwoch stattfindenden Paddelterminen.
1997 sanieren die Mitglieder auch noch ihre Steganlage, der Unterbau war abgesackt; neue Pfähle werden gerammt.
2002 paddeln Klausdorfer Kanuten unter der Leitung von Reinhard Masuth durch das nordfriesische Wattenmeer – Schlüttsiel über Hallig Hooge nach Jappsand, rund Amrum und es folgen weitere Nordseetouren. Thomas Driller gründet die Anfängergruppe „Paddeln für Einsteiger“, offen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene bis ins hohe Alter.
2004 entsteht mit dem Anbau am Clubhaus auch ein öffentlich zugängliches WC, das für die Gemeinde mit dem Betrieb der Badestelle notwendig wurde.2
2 Auszüge aus der Festschrift zum Jubiläum 50 Jahre TSV-Kanuabteilung 1960-2010
Heidrun Clausen
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