21 Dorfplatz Raisdorf

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Der Raisdorfer Dorfplatz und das Heimatmuseum

Wie in vielen anderen Dörfer war der Dorfplatz das Zentrum der Gemeinde, hatte viele Jahre einen Dorfteich fürs Löschwasser, war umgeben von einer befestigten Dorfstraße und die Gehöfte der Hufner. 

Die ersten Bauern (Hufner) in Raisdorf haben sich um einen mit einem Teich versehenen Platz angesiedelt. Das Dorf war also ein „Rundling“.

Der Dorfplatz diente von Anfang an als Treffpunkt und ist mehrfach verändert worden. 1746 wurde am östlichen Rand die erste Schule gebaut, der Dorfplatz war Schulhof.                                                                

Auf Anordnung der Priörin des Klosters Preetz hat der Lehrer Ebsen 1839 auf dem Platz 27 Linden gepflanzt, und im südlichen Teil haben die Raisdorfer 1898 zur Erinnerung an die Erhebung gegen die Dänen (1848) eine gut sichtbare Doppeleiche hinzugefügt.

Der Dorfplatz war Versammlungsraum, Austragungsort für verschiedene Spiele wie Vogelschießen und Ringreiten, Jahrmarktplatz und Treffpunkt bei Volksfesten und anderen Gelegenheiten.

Auf der gegenüberliegenden Seite wurde 1924  ein Ehrenmal errichtet, in dem die Namen der 34 Gefallenen des 1. Weltkrieges auf einem großen Stein vermerkt waren. Es wurde 50 Jahre später in das neugebaute Ehrenmal auf dem Friedhof integriert.

Während des 2. Weltkrieges wurden in der Nähe der Schule Schutzbunker aus Beton gebaut. Diese hat man im Zuge der Neugestaltung des Dorfplatzes zur 75o-Jahr-Feier 1974 entfernt.

Damals wurde der zwischenzeitlich ausgetrocknete Dorfteich endgültig beseitigt, die Doppeleiche mit einer Sitzgruppe eingefaßt, ein dauerhaft befestigtes Forum mit Rednerpult geschaffen und die Fußwege befestigt.

Dorfplatz ca. 1965, Blick von Nord

Blick von Nord über die Firma Sommer und den Rönner Weg auf den Dorfplatz um 1965

Es ist Jahrmarkt mit Kinderkarusell neben dem Löschteich; links neben den Ständen an der heutigen Holstenstraße ist schwach das alte Kriegerdenkmal zu erkennen.

Das Feuerwehrgerätehaus von 1954 steht hinten links etwas verdeckt.

Hinten rechts sind die Gebäude von Hamdorf / Sievers und Jessen erkennbar.

 

 

Dorfplatz Gedenkstein 1898 u. 750 Jahre Raisdorf (Peter Dohse)

Der Gedenkstein von 1974 zur Erinnerung an die Schleswig-Holsteinische Erhebung von 1848 und an die Pflanzung der Doppeleiche 1898.

Stein des ehem. Kriegerdenkmals am Dorfplatz (Wilbert Voß)

Der Namenstein des Alten Kriegerdenkmals für die Gefallenen des 1. Weltkrieges 1914-18 an seinem heutigen Standort.

Panorama Alte Feuerwache und Bäckerei Baumann 2024 (Peter Dohse)

Panorama in Richtung Alte Feuerwache und Bäckerei Baumann im Jahre 2024.

Rednerpult
Das moderne Rednerpult

Zeitzeuge Rudi Hahn erinnert sich:  Bürgermeister Helmut Ohl hatte hierbei an den “Speakers  Corner” im Hydepark in London gedacht und daher das Pult mit der Beschriftung “Schnackers  Eck” versehen lassen, weil jeder das Recht haben sollte, seine Meinung von dem Rednerpult aus Volk und Vaterlang kund zu tun, so er denn meinte, dass seine Meinung allen zur Kenntnis gebracht werden sollte.

Draußen steht im Beton der Satz: "Hör mal`n beten to"; übersetzt: "Hör mal ein wenig zu"!

 

Die alte Feuerwache als Heimatmuseum

Wer heute im Museum größere Exponate aus der Geschichte erwartet, stößt beim Eintreten auf eine Fahrradwerkstatt. Diese benötigte in den letzten Jahren neue Räumlichkeiten. Die Ausstellung wurde aufgelöst!

 

Die Feuerwehr verließ das Feuerwehrgerätehaus von 1954 (Alte Feuerwache) 1978 und zog in die Bahnhofstraße. Das Gebäude wurde zum Museum umgebaut. Die Fensterfronten an der Vorderseite waren früher die Einfahrten für die Löschfahrzeuge.

Der Heimatbund stellte dann die Schützengemeinschaft und den Sportfischerverein Schwentine mit Fotos, Dokumenten und Exponaten zur Zeitgeschichte dar.

Auch die historischen Utensilien der Raisdorfer Gilde wurden gezeigt.

Zu den Exponaten hätten aber auch ein Bild der Schwentine vor Aufstauung des Rosensees, Auszüge aus dem Tagebuch von Alwine Baumann 1941 - 1945, sowie der hölzerne Vogel vom Vogelschießen gehören sollen!

 

 

Alte Feuerwache als Heimatmuseum 2024 (Peter Dohse)
Die alte Schule von 1873
Die Alten Schulen von 1749 und 1873

Da wo bis 1950 die Raisdorfer Schule stand, steht heute ein Wohnblock.

Die erste Schule wurde dort 1746 errichtet mit einem 64 qm großem Klassenraum und Lehrerwohnung von 32 qm. Dazu kam ein Kuhstall von 8 qm. Bis 1823 blieb dieses Gebäude unverändert. Hier wurden in den Wintermonaten bis zu 100 Schüler unterrichtet, allerdings wurden in den Sommermonaten viele zur Arbeit herangezogen. 1831 und 1849 wurden Veränderungen am Gebäude vorgenommen 1868 wurde diese Schule noch erweitert. 1873 wurde dann dort eine neue Schule gebaut (Fotos).

1919 erhielt die neue Schule einen Anbau und die erste Schule wurde abgerissen.

Feuerwache
Die Feuerwehr Raisdorf am Dorfplatz

Seit Urzeiten hat das Feuer für die Menschen eine große Bedeutung. Begonnen mit der Brandgilde gab es lange die "Brandschau" und den Nachtwärter mit seinem Feuerhorn. Am 10. April 1912 wurde die Freiwillige Feuerwehr Raisdorf mit 30 Männern gegründet und mit einer damals üblichen Handdruckspritze ausgestattet. 1922 wurde dann das erste Spritzenhaus am Dorfplatz gebaut (Plan unten). 1933 erhielt die Wehr ihre erste Motorspritze. 1954 (Foto) wurde das dann neue Gerätehaus am Dorfplatz fertiggestellt, heute das geschlossene Heimatmuseum. 1978 zog die Wehr dann zum jetzigen Standort in die Bahnhofstraße.

Bäckerei
Die Bäckerei Baumann

Eine Tafel am Gebäude "Am Dorfplatz 4" erinnert an die ehemalige Bäckerei. 

Das Haus mit Backstube wird von Bäcker Wilhelm Heuck von 1874 bis 1905 genutzt und wird dann an Familie Baumann verkauft. 

Im Jahr 1906 brennt das Gebäude ab und ein neues Gebäude wird dort 1907 errichtet. Claus Friedrich Baumann und seine Nachfolger betreiben dann dort ebenfalls eine Bäckerei. 

1928 ist es z.B. Alwine Baumann, die Autorin der Raisdorfer Luftchronik im 2. Weltkrieg.

 

1979 wird der Bäckereibetrieb eingestellt. Das Gebäude ist noch in Familienbesitz und steht heute noch neben der alten Feuerwache.

Kinderfest, Umzug vor der Schule 30.6.1931 (Sammlung Wilbert Voß)
Spritzenhaus v. 1922 (Wirtschaftsplan 1951-53, R. Hahn)
Am Dorfplatz 4 Hinweisschild Bäcker Baumann
 
Die Gebäude um den Dorfplatz in seiner zeitlichen Entwicklung

Rund um den Dorfplatz fanden sich früher viele Raisdorfer Gehöfte. Im Jahre 1988 waren noch drei vorhanden. Es waren Bauer Jessen und Bauer Jungjohann. Der Wohlersche Hof war schon vom Dorfplatz ausgesiedelt worden.

 

Ortsplan 1881
Ortsplan 1881 Legende
Ortsplan 1951
Ortsplan 1951 Legende
Ortsplan 2021
Ortsplan 2021 Legende
 
Woher kommt der Name Kaffeebohnenstieg?

Rudi Hahn erläutert:

Bei der Armenkate gab es in den 30er- und 40er-Jahren einen Ziegenbock.

Die ärmeren Leute hielten sich damals eine Ziege, um Milch zu haben. Ein Bock diente nur der Fortpflanzung und war für einen Haushalt zu teuer. So trug die Gemeinde die Kosten für diesen Bock, das waren 50,- Mark im Jahr für die Familie, bei der er stand.

Die Ziegen wurden dann über den Kaffeebohnenstieg zum Bock gebracht und verloren dabei ihre "Bohnen".

 

Eine andere Erklärung des Namens besagt, dass bei Bäcker Kurt Baumann Kaffee verkauft wurde und es hin und wieder passierte, dass den Kunden auf dem Heimweg die Kaffee-Tüte platzte - deshalb Kaffeebohnenstieg.1

 

Der Kaffeebohenstieg ist der Verbindungsweg zwischen Holstenstraße und Bahnhofstraße.

 

1 Spurensuche XXII

 

 

Die Texte dieser Seite stammen überwiegend von Jürgen Ohrt, Rudi Hahn, Holger Malterer und Wilbert Voß unter Verwendung von Archivmaterial des Heimatbundes und der Stadt Schwentinental, sowie Unterlagen aus dem Heimatmuseum, aber auch aus den vorliegenden Chroniken und dem Buch „Bei uns im Dorf“. Bilder inclusive Bearbeitung lieferten der Heimatbund, Peter Dohse, Rudi Hahn, Holger Malterer und Wilbert Voß.

 

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