07 Flamingos

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Plastik von Walter Rössler

„Zwei Flamingos“ heißt die grazile Bronze-Plastik neben der Klausdorfer Seniorenwohnanlage an der Dorfstraße.

Sie wurde am 11. Juni 1995 in Anwesenheit des 90-jährigen Künstlers Walter Rössler eingeweiht. Der Aufstellung ist eine Spendenkampagne unter dem Titel „Bürgersinn“ vorausgegangen. Hunderte Klausdorferinnen und Klausdorfer ermöglichten mit kleinen Anteilsscheinen den Ankauf des Kunstwerks. Die „Flamingos“ stehen auf dünnen, schlanken Beinen – und doch strahlen sie  Sicherheit, Geborgenheit und Vertrauen aus. Eine symbolkräftiges Aussage für den Wohnsitz betagter Menschen.

 

Zwei Flamingos (Foto KuKuk)

Walter Eduard Ferdinand Rössler entstammt einer Handwerkerfamilie. 1904 in Kiel geboren, beginnt er 15-jährig eine Steinmetz-Lehre im väterlichen Betrieb.

 

Anschließend besucht er von 1924 bis 1926 die Handwerker- und Kunstgewerbeschule Kiel. Der vielseitige Franz Blazek, ein Bildhauer, Maler und Keramiker österreichischer Herkunft, gehört zu seinen Ausbildern, bei denen der junge Rössler schließlich seine Meisterprüfung zum Steinmetzmeister ablegt.


Ab 1926 studiert er an der Kölner Werkschule, zu deren Leiter im gleichen Jahr Richard Riemerschmid berufen wird, der als Designer und Architekt zu den wichtigsten Vertretern des deutschen Jugendstils zählt. Riemerschmid gilt als  sozial eingestellter Reformer und hat sich früh mit Fragen der maschinellen Produktion und der Herstellung preisgünstiger Produkte beschäftigt, er hat den Deutschen Werkbund mitbegründet und später auch jahrelang geleitet.

Rössler macht sich 1930 auf zu einer Studienreise nach Paris und in die Touraine, eine kulturell-historische Region, die schon früh der „Garten Frankreichs“ genannt wurde und jahrhundertelang bevorzugter Aufenthaltsort der französischen Könige war. Die künstlerischen Impulse, die Rössler erfährt und verarbeitet, reißen nicht ab. 

 

Nach einer kurzzeitigen eigenen Bildhauerwerkstatt in Kiel lebt er von 1932 bis 1933 als Schüler von Gerhard Marcks auf der Burg Giebichenstein in Halle. Marcks wiederum gerät früh in Konflikt mit den Nationalsozialisten – wegen seiner Werke, die als „Entartete Kunst“ eingestuft wurden, und weil er sich für den Verbleib jüdischer Lehrkräfte auf der Burg einsetzte, was ihm 1933 die Entlassung einbrachte.


Im Spannungsfeld zwischen Bildhauerei und Nationalsozialismus lebt fortan auch Walter Rössler, der bis 1939 – das ist er immerhin 35 Jahre alt – Schüler der Akademie der Bildenden Künste in Dresden und Meisterschüler von Karl Albiker wird. Auch Albiker geriet ins Visier der Nazis, etwa weil er die Berufung moderner Künstler wie Otto Dix nach Dresden unterstützt hatte, und verlor bis auf seine Professorenstelle alle seine Posten. Andererseits trat er am 1. Mai 1933  der NSDAP bei, war an der Schaffung von Großplastiken für den öffentlichen Raum beteiligt, beispielsweise beim Umbau des Berliner Sportforums zum „Reichssportfeld“. Später wurde Albiker sogar auf der sogenannten „Gottbegnadeten-Liste“ als einer der wichtigsten bildenden Künstler des „Dritten Reichs“ genannt.

 

Rössler darf von 1939 bis 1940 an der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom arbeiten, wo der Konflikt zwischen künstlerischer Freiheit und NS-Vorgaben ebenfalls nicht ausgeblieben ist. 1942 gewinnt er den Preis der Villa Romana und damit einen Aufenthalt in Florenz. Nach dem Waffenstillstand von Cassibile (der Vertrag Im Herbst 1943 zwischen dem Königreich Italien einerseits sowie England und den USA andererseits sorgte dafür, dass Italien das Bündnis mit Hitler-Deutschland verließ) muss die deutsche Künstlerkolonie Florenz und die Toskana verlassen. Rössler zieht  zurück in den Norden, seine Werkstatt richtet er in Schleswig ein. 

 

Ein Jahr später wird er eingezogen, bis 1945 leistet er Kriegsdienst. 1949 kehrt er aus sowjetischer Gefangenschaft nach Deutschland zurück. „Sein Menschenbild hatte in dieser Zeit stark gelitten“, wird später seine (zweite) Frau Ebba sagen. Der gelernte Steinmetz und spätere Bildhauer wendet sich ab vom Bildnis des Menschen ab und porträtiert in dieser Schaffensperiode vorwiegend Tiere. Für den von der menschlichen Existenz so schwer enttäuschten Künstler sind sie die Spielart des Lebens in seiner reinen, natürlichen und unschuldigen Form. Tapsige Bären, watschelnde Pinguine, schlanke Kraniche hat er immer wieder bei Hagenbeck beobachtet und skizziert.


Zu weiteren wichtigen Arbeiten seines künstlerischen Lebens zählen die „Sitzende“ von 1940, heute in der Kieler Kunsthalle zu bewundern), das Bildnis Gustav Frenssen (1943, ebenfalls Kieler Kunsthalle), die Büste Ottomar Enking (1943, Museum Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek), das Porträt Friedrich Ernst Peters (1949, Schloss Gottorf), die Friedrich-Ernst-Peters-Medaille (1950, Hamburger Kunsthalle), die Kieler Brunnenfigur „Eos“ (1951), der „Pinguin“ (1951, Uwe-Jens-Lornsen-Schule in Kiel), der „Pelikan“ (1951, ehemals vor dem Paul-Fleming-Heim in Kiel), der „Klabautermann“ (1968, Museum Nissenhaus in Husum) sowie die „Kapitolinischen Gänse (1985, Privatbesitz Rössler). 


Auch der weit über Kiel hinaus bekannte, mit Sockel etwa zwei Meter große bronzene „Werftarbeiter“ im Kieler Prinzengarten entstammt dem Atelier Rössler. Als die Statue 1959 eingeweiht wird, wohnt der Künstler längst in Klausdorf. Am Ende des Ritzebeker Weges, umgeben von viel Grün und nur wenige Steinwürfe  von der Schwentine entfernt, hatte er 1956 ein Häuschen mit Werkstatt erworben. Vier Jahrzehnte künstlerisches Leben bleiben ihm zu diesem Zeitpunkt noch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hochbetagt stirbt Walter Rössler 1996, sein Grab und das seine Frau Ebba geb. Thomsen befinden sich auf dem Südfriedhof in Kiel auf dem Feld J. 

Seine letzte Ruhestätte hat der gelernte Steinmetz quasi selbst entworfen. 

Auf dem Grabstein sind die Konturen seines schreitenden „Klabautermanns“ eingelassen. 

Der Klabautermann, das wissen die Menschen an der Küste, ist ein Schiffskobold, der oft unter Deck rumort, den Kapitän aber auch vor Gefahren warnt. 

Und damit sorgt er für eine gute Reise – auch auf dem letzten Törn.  

P1016039-Bearbeitet Grabstein Walter Rössler (Foto Peter Dohse)

Die Seniorenwohnanlage ist ebenso alt wie die Plastik. Es gab in der Gemeinde eine intensive Diskussion zu ihrer Einrichtung. Jetzt gibt es hier 60 Wohnungen, aber keine Vollzeit- oder Teilzeitpflege. Vorher war hier die Hofstelle von Ernst Voß.

 

Udo Carstens

 

Bürgermeister Müller bei der Festansprache (Sammlung Malterer)

Bürgermeister Müller bei seiner Ansprache zur Einweihung der Skulptur.

Seniorenresidenz an der Schwentine um 1995 (Sammlung KuKuK)

Die Seniorenwohnanlage kurz nach der Fertigstellung im Jahre 1995.

Bauergehöft Voss vor dem Krieg (Sammlung KuKuK)
Das Gehöft Voss wird seit den 1970er-Jahren nur noch für die Einstellung von Pferden genutzt (Sammlung KuKuK)

Das Gehöft Voß wird seit den 1970er-Jahren nur noch für die Einstellung von Pferden genutzt.

Im Jahre 1988 wurden in der rechten Scheune die Einsatzfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr eingestellt, da das Gerätehaus neu gebaut wurde.

 

 

 

Links das Bauergehöft von Ernst Voß in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg

Die Fotos unten zeigen die Bauernstelle Voß in ihrem letzten Zustand in den 1980er-Jahren und den Abriß der Gebäude 1989 für den Neubau einer dringend benötigten Seniorenwohnanlage.

Damit verschwand ein Gebäudekomplex an der Dorfstraße, der das Ortsbild von Klausdorf viele Jahrzehnte geprägt hat.

Bauernstelle Voß um 1985 (Sammlung KuKuK)
Bauernstelle Voß um 1985 (Sammlung KuKuK)
Abriß der Gebäude der Bauernstelle Voß 1989 (Sammlung KuKuK)

 

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