23 Kirche St. Martin
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Von Karkkamp zu St. Martin
„Karkkamp“, auf Hochdeutsch „Kirchenland“, hieß eines der Barackenlager, die zu Kriegszeiten in den 40er-Jahren eingerichtet wurden. Es lag gegenüber der heutigen Kirche und nahm nach dem Krieg Flüchtlinge und ausgebombte Menschen auf. Auf dem Gelände befand sich seit 1949 eine kleine Baracken-Kapelle, den angrenzenden Friedhof verwaltete die Kirchengemeinde Preetz.
Am 15. Oktober 1956 erfolgte die Grundsteinlegung zum Bau der St.-Martins-Kirche. Knapp vier Jahre später, am 19. Juni 1960, wurde das Gotteshaus eingeweiht. Damit endete nach fast elf Jahren das Provisorium mit der Kapelle im Lager Karkkamp.
Die Kirche Sankt Martin erhielt bei der Renovierung 1997 eine neue Empore im Innenraum, seitdem hat auch die Orgel mehr Platz.
Fritz During, ein in Raisdorf lebender Bildhauer, schuf die Plastik „Martin“ über dem Eingangsportal der neuen Kirche. Fritz During, 1910 im Spreewald geboren, hatte zunächst eine Tischlerlehre durchlaufen. Sein Bruder Paul, der in Berlin ein Studium der Malerei absolviert hatte, holte ihn 1930 nach Berlin. Fritz During allerdings entschied sich für das plastische Gestalten und die Bildhauerei. Nach seiner Ausbildung an den Vereinigten Staatsschulen wechselte er nach Kiel und fertigte Baukeramiken für die Kunstkeramik Edmund Jensen an, dem Nachfolgebetrieb der Kieler Kunst-Keramik AG.
Von seinen Honoraren konnte er sich 1938 ein Haus in Raisdorf kaufen. Das Grundstück, nur einen Steinwurf von der Schwentine entfernt, lag mitten im Grünen. During wurde später als Soldat eingezogen und arbeitete nach seiner Rückkehr bei Kriegsende als freischaffender Künstler. Er starb 1993 in Preetz, nach dem Tod seiner Witwe Käthe übernahm die Fritz-During-Stiftung im Kreis Plön den gesamten Nachlass. Durings Werke finden sich an vielen Orten im Norden. Die Kreisverwaltung Plön schmückte ihren Innenhof an der Hamburger Straße bei der Einweihung im August 2019 mit dem „Fritz-During-Figurenpark“.
Die Kirchenbaracke "St. Martins-Kapelle" des Flüchtlingslagers Karkkamp mit dem 1949 selbstgebauten Glockenturm und der Glocke von SMS "Stralsund". Die Herkunft der zweiten kleineren Glocke ist ungeklärt!
Anfangs hing das Kreuz "Christus" von Fritz During in der St. Martins-Kirche. Später wurde es in das "Haus der Kirche" umgehängt.
Seit 2025 gab es in der Kirchengemeinde Raisdorf Überlegungen, das Haus der Kirche aus Kostengründen einer anderen Nutzung zuzuführen.
In diesem Rahmen hat nun auch der "Christus" seit 9.11.2025 wieder seinen Weg zurück in die St. Martin-Kirche gefunden.1
1 Quelle: www.kircheraisdorf.de
Im Jahre 1961 wurde für die Gefallenen beider Weltkriege auf dem Raisdorfer Friedhof eine neue Ehrenmal-Anlage errichtet. Geschaffen haben den Teil für den 2. Weltkrieg der Landschaftsarchitekt Hans Friedrich Brodersen und der Künstler Fritz During, der die Gitterplastik an der rechten Seite gefertigt hat.
Das alte Kriegerehrenmal am Dorfplatz, aus der Zeit nach dem 1. Weltkrieg, wurde im Rahmen der dortigen Umgestaltung abgebaut. Der Stein mit den Namen wurde gegenüber der neuen Anlage wieder aufgestellt.
Weiter Steine zum Gedenken im Bereich des Gefallenen-Denkmals
Der originale Stein mit den Namen der Gefallenen Raisdorfer des 1. Weltkrieges. Er stammt von dem um 1970 abgebauten Kriegerdenkmal am Dorfplatz und hat hier einen würdigen Platz gefunden.
Dieser Grabstein des ehemaligen Raisdorfer Bürgermeisters Heinrich Fuehrer wurde nach Auslaufen der Grabstätte hier her gebracht. Seine Amtszeit ging von 1955 bis 1962.
Diesen Gedenkstein hat die Mutter von dem in der Ukraine bei Kotelwa gefallenen Unteroffizier Kurt Sievers nach dem Krieg anfertigen lassen.
Er stand bis zum Abriß an der Südseite ihres Hauses am Raisdorfer Dorfplatz (ehem. Hof Hamdorf Dorfstraße Nr. 4).
Die Inschrift wurde von KuKuK e.V. im Nov. 2025 restauriert.
Mutter Ida Magdalena mit ihrem einzigen Sohn Kurt Hans Paul August Sievers als jungen Soldaten der Panzertruppe.
Er trägt noch die friedensmäßige Uniform eines Oberschützen.
Das Foto wurde im Garten ihres Hauses kurz nach Kriegsbeginn aufgenommen.
Unteroffizier Kurt Sievers im Rußlandfeldzug an seinem Lkw Opel-Blitz.
Hier wurde er als Gruppenführer in der Kraftwagen-Transportkolonne der 3. Kompanie des Panzergrenadier-Regiments 7 eingesetzt.
Am 25.7.1940 war ihm im Frankreichfeldzug bereits das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen worden.
Den Brief seines Kompaniechefs in Rußland vom 12.9.1943, mit den wenig tröstenden Worten zu seinem Heldentod, erhielt die Familie am 8.10.43.
Dieses Foto zeigt den Gedenkstein von Uffz. Kurt Sievers an seinem ursprünglichen Standort am Haus Hamdorf Dorfstraße Nr. 4 am Dorfplatz in Raisdorf.
Seine Mutter Ida Magdalena Sievers-Hamdorf hatte den vom Raisdorfer Steinmetz Diester um 1948 gefertigten Stein im Bereich ihres Fensters aufstellen lassen.
Die Fotos stammen von Idas Enkelkindern Antje Böttcher und Dörte Dotzauer, vielen Dank dafür!
Der Grabstein von August Streufert
Eine weitere Gedenkstätte befindet sich hier für August Streufert.
Der am 5.8.1887 in Negast bei Stralsund geborene August Hans Karl Streufert war beruflich Abteilungsleiter bei der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung.
Als Reichtagsabgeordneter der SPD für die Provinz Pommern hat Streufert in Berlin bis 1933 gegen die Nationalsozialisten gekämpft.
Nach der Machtergreifung wurde er aus dem Staatsdienst entlassen und die Familie verlegte ihren Wohnort nach Raisdorf. Er arbeitete nun als Einzelhändler bei einer holländischen Firma und wurde von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verfolgt. Seine Hitler-Gegnerschaft führte er aber im Untergrund fort und wurde nach dem Attentat auf Hitler am 20.7.1944, im Rahmen der anschließenden Säuberungswelle, verhaftet. Er starb im Dezember 1944, nach offiziellen Angaben des Lagerkommandanten, an einer Lungenentzündung im Konzentrationslager (KZ) Neuengamme bei Hamburg.
Das Familiengrab befand sich auf dem Friedhof der Stadt Preetz, nach Auslaufen der Grabstätte wurde der Grabstein mit einer Urne voll Grab-erde, auf Initiative des ehem. Raisdorfer Bürgermeisters Helmut Ohl, im Bereich des neuen Gefallenendenkmals aufgestellt. Heute dient er der Erinnerung an einen Mann, der sein mutiges Handeln mit dem Leben bezahlte.
Zu seinem Andenken ist eine Straße im Ortsteil Raisdorf nach ihm benannt.
Wilbert Voß
August Streufert mit seiner Familie und Freunden im Jahre 1942.
Das Foto entstand auf der 1936 gebauten Brücke der Reichsstraße 202 über den Rosensee, im Hintergrund ist die alte "Weiße Brücke" nach Rosenfeld zu sehen.
Das Hotel Rosenheim
Das nach der Jahrhundertwende von Hans Ledtje gebaute Hotel und Pension "Rosenheim" erhielt "im Namen des Königs" 1910 seine offizielle Genehmigung. Es lag verkehrsgünstig an der Chaussee von Preetz nach Kiel, so dass die Perdegespanne hier die notwendigen Pausen einlegen konnten. Auch die relativ kurze Entfernung zum Raisdorfer Bahnhof war ein Standortvorteil.
Es handelte sich um ein modernes Haus mit prächtigem Rosengarten und großen geschützten Glasveranden, sowie Räumlichkeiten für Schulen u. Vereine.
Im Jahre 1912 übernahm Johannes Först das Gebäude und nannte es in "Först`s Gasthof" um. Er baute dann 1913 einen Saal an das bestehende Gebäude und somit konnten auch große Festlichkeiten hier stattfinden.
Seine Tochter Grete heiratete später Max Schlüter und beide übernahmen den Betrieb dann im Jahre 1928.
Nach dieser Übernahme hieß der Gasthof dann wieder "Rosenheim" und es wurde eine Rampe zur Viehverladung aufgestellt. Nach dem Viehumschlag wurde der Handel dann in der Gaststätte besiegelt.
Während des 2. Weltkrieges lagerte die Kriegsmarine in einigen Gebäudenteilen Materialien ein, um sie dem Bombenkrieg zu entziehen. Als ihr Mann zum Militär eingezogen war, versorgte Grete Schlüter ihre Familie mit Hilfe der Landwirtschaft selbst.
Max Schlüter war ja auch noch Amtswehrführer, darum stand in der Kriegs- und Nachkriegszeit das Raisdorfer Löschfahrzeug zeitweise in der Scheune des "Rosenheimes".
Nach Kriegsende beschlagnahmten die Briten den Betrieb und nutzten ihn für eigene Zwecke; die Familie Schlüter wohnte in dieser Zeit zuerst im Kuhstall und dann in einer Baracke. Der Saal war jetzt Offizierscasino.
Nachdem Max Schlüter und auch Sohn Erich aus dem Krieg zurück waren und die Kriegsschäden beseitigt waren, gab es ab 1951 im Saal Kino-Veranstaltungen für die Bevölkerung. Es waren die "Rosenheimer Lichtspiele" die er zusammen mit H. Natter aus Wankendorf organisierte, Programmwechsel war jeden Mittwoch und Sonntag.
Der Betrieb erhielt eine Reihe von Auszeichnungen und das Hotel passte sich der Zeitentwicklung an; so gab es z. B. dann auch eine Bundeskegelbahn.
Nach dem Tod von Max Schlüter 1968, übernahm sein ältester Sohn Erich den Betrieb und führte ihn noch lange weiter; er existiert heute noch unter anderen Besitzverhältnissen.
Wilbert Voß
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