Aktion: Das saubere Denkmal

Zu einer Art „Aktion Sauberes Denkmal“ rückten jüngst Vorstandsmitglieder von Kukuk (Verein für Kunst und Kultur sowie kulturhistorische Projekte) aus. Bekanntlich will der Verein rechtzeitig zur 800-Jahr-Feier Klausdorfs und Raisdorfs (und damit der gemeinsamen Stadt Schwentinental) einen Kulturpfad anlegen. Die insgesamt 24 Standorte sollen auf besondere historische und kulturelle Ereignisse und Entwicklungen hinweisen.

Erste Anlaufstation der Kukuk-Aktiven war die Ölpumpe an der Raisdorfer Birkenstraße. Von der Ölproduktion, die rund 20 Jahre lang Bedeutung für die Gemeinde (im kleineren Rahmen auch für den Nachbarn Klausdorf) hatte, gibt eine Stelltafel den Passanten Kenntnis – wenn der Text denn lesbar wäre. Doch ebenso wie Bäume und Sträucher bereits die ausgestellte Pumpe in ihrem „Gitterkäfig“ überwuchern, hatte sich der Flugstaub der vergangenen Jahre auf die Informationstafel gelegt. Spülmittel, Wasser und Bürste sorgten jetzt dafür, dass die Tafel ihre ursprüngliche Funktion wieder erfüllt – getreu dem Motto „Wischen schafft Wissen“. 

1962, vor gut 60 Jahren, hatte die Deutsche Erdöl AG mit ihren Bohrungen begonnen, zunächst auf dem Feld Preetz 1 etwa 1,5 Kilometer südwestlich der Gemeindegrenze Raisdorfs. Die Pumpstation ging im April 1964 in Produktion. Bereits 1963 wurde die Station Raisdorf wegen ihrer zentralen Lage als Sammelstation für die Bohrstelle Preetz 4 am Neuwührener Weg ausgewählt und 1964 fertiggestellt, wie man/ frau der Tafel jetzt wieder entnehmen kann.  Zeitweilig arbeiteten auf der Station und im Feld 28 Mann. Das Öl wurde durch eine 5-Zoll-Pipeline nach Nettelsee gepumpt, von dort führte dann eine 10-Zoll-Pipeline zur zentralen Texaco-Raffinerie nach Heide in Dithmarschen.

Im Zuge der weiteren Erschließung verlagerte sich der Schwerpunkt der Förderung nach Süden. 1972 wurde die Station Postfeld aufgebaut, kurz danach die Station Raisdorf stillgelegt. Im Gebiet der Gemeinde Raisdorf wurden in den 60er- und 70er-Jahren insgesamt zehn Bohrungen in eine Tiefe von 2500 Metern abgeteuft. Dort, in der geologischen Formation des Jura, stießen die Bohrköpfe auf Öl. Noch 1985 war die Jahresproduktion in dieser Region mit 20 300 Tonnen an der schleswig-holsteinischen Gesamtförderung von 409 000 Tonnen beteiligt, das entspricht 5 Prozent.

An der Gedenktafel zur Erinnerung an die Opfer von Gewaltherrschaft und Krieg während der NS-Zeit machten die Kukuk-Vertreter anschließend ähnliche Erfahrungen wie an der Ölpumpe. Schmutz und klebriger Blütenstaub hatten die Glasplatte hoffnungslos zugedeckt. Nach der Säuberungsaktion ist die Tafel, die im Rahmen des Projektes „Spurensuche“ der Volkshochschule vor Jahren am Wasserwerksweg ausgestellt wurde, wieder lesbar. Und wer weiß denn heute noch, dass auf Raisdorfer und Klausdorfer Gemeindegebiet insgesamt sechs Lager standen?

Vom damaligen Reichsarbeitsdienst errichtet, dienten sie später als Unterkünfte für Kriegsgefangene beispielsweise aus der Sowjetunion, der Tschechoslowakei und aus Jugoslawien, aus Italien, Belgien und den Niederlanden. Nach dem Krieg kamen in diesen Notunterkünften Flüchtlinge unter – es sollte noch über 15 Jahre dauern, bis die letzten Bewohner bessere Unterkünfte fanden. 

Udo Carstens         

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Mi, 06. Dezember 2023

Bild zur Meldung

Weitere Meldungen